Kinderwunsch ab 40

Chancen, Herausforderungen und Wege zur Unterstützung mit TCM

Dr. Andrea Kaffka, TCM München

Dr. Andrea Kaffka ist Heilpraktikerin, Autorin und Dozentin mit über 30 Jahren Erfahrung in Akupunktur und Traditioneller Chinesischer Medizin. In ihrer Praxis VIA zentral in München liegt ihr Schwerpunkt auf Kinderwunsch, Frauenheilkunde und Innerer Medizin. Seit 2005 lehrt sie Chinesische Medizin im Bereich Gynäkologie. 2009 promovierte sie an der Zhejiang Chinese Medical University in China.

Wie Sie sicher wissen – je älter Sie sind, desto länger müssen Sie sich unter Umständen bei der Erfüllung Ihres Herzenswunsches gedulden. Und trotzdem – viele Frauen sind heute noch so vital, daß Sie auch mit über 40 noch schwanger werden können.

  • Fakten
  • Risikoschwangerschaft? Wirklich?
  • Es ist noch nicht zu spät

Kinderwunsch ab 40 – Es ist noch nicht zu spät

Viele Frauen über 40 sind heute gesund, vital – und werden schwanger. Dass der Zeitpunkt im Leben, an dem man sich ein Kind wünscht, nicht immer der biologisch günstigste ist, wissen die meisten. Dass er dennoch möglich ist, zeigen sowohl die Forschung als auch die klinische Praxis.

Die Fakten

Mit zunehmendem Alter nimmt die Fruchtbarkeit einer Frau allmählich ab. Verantwortlich dafür sind vor allem die sinkende Zahl der Eizellen und deren nachlassende Qualität. Dadurch dauert es häufig länger, bis eine Schwangerschaft eintritt, und das Risiko für Fehlgeburten steigt.

Dennoch entscheiden sich heute viele Frauen erst später für ein Kind. Ausbildung, Beruf, der Wunsch nach einer stabilen Partnerschaft oder schlicht der passende Zeitpunkt im Leben führen dazu, dass sich die Familiengründung oft in das vierte Lebensjahrzehnt verschiebt.

Neben den altersbedingten Veränderungen der Eizellen können auch gynäkologische Erkrankungen wie Endometriose oder Adenomyose – bei der gebärmutterschleimhautähnliches Gewebe in der Muskelschicht der Gebärmutter vorkommt – die Fruchtbarkeit zusätzlich beeinträchtigen. Beide Erkrankungen können unabhängig vom Alter einen Kinderwunsch erschweren.

Risikoschwangerschaft? Die Einordnung

Frauen ab 35 Jahren gelten medizinisch als Schwangere mit erhöhtem Risiko. Diese Einstufung bedeutet jedoch nicht, dass Komplikationen zwangsläufig auftreten – sie dient vor allem dazu, Schwangerschaft und Geburt sorgfältiger zu begleiten.

Eine große finnische Studie von Alice Goisis, Mikko Myrskylä und Kollegen (American Journal of Epidemiology, 2017) zeigt, dass das Alter allein nicht jedes Schwangerschaftsrisiko erklärt. Verglichen die Forscher Geschwister, die ihre Mutter in unterschiedlichem Alter bekommen hatte, zeigte sich durch das höhere Alter kein zusätzliches Risiko für Frühgeburt oder geringes Geburtsgewicht. Die Studie untersuchte allerdings nur diese beiden Risiken. Andere bekannte altersabhängige Risiken werden dadurch nicht infrage gestellt.

Unbestritten ist, dass mit zunehmendem Alter das Risiko für Fehlgeburten steigt – bedingt vor allem durch häufiger auftretende chromosomale Veränderungen der Eizellen. Auch die Einnistung gelingt nicht mehr so leicht wie in jüngeren Jahren.

Die Möglichkeiten der Schwangerschaftsvorsorge haben sich in den vergangenen Jahrzehnten jedoch erheblich verbessert. Engmaschige Kontrollen und moderne Diagnostik tragen dazu bei, Risiken frühzeitig zu erkennen. Viele Schwangerschaften bei Frauen über 40 verlaufen ohne schwerwiegende Komplikationen, auch wenn bestimmte Schwangerschafts- und Geburtsrisiken mit zunehmendem Alter häufiger auftreten.

Es ist noch nicht zu spät

Die Zahl der Frauen, die sich erst jenseits des 40. Lebensjahres ihren Kinderwunsch erfüllen möchten, nimmt seit Jahren zu. Die Reproduktionsmedizin eröffnet zusätzliche Möglichkeiten, kann die natürlichen altersbedingten Veränderungen der Eizellen jedoch nicht vollständig ausgleichen.

Gerade deshalb gewinnt eine frühzeitige Unterstützung der Fruchtbarkeit an Bedeutung. Die Traditionelle Chinesische Medizin verfolgt dabei einen anderen Ansatz: Sie zielt darauf ab, die körperlichen Voraussetzungen für eine Schwangerschaft zu verbessern – unter anderem durch die Förderung einer regelmäßigen Ovulation, die Unterstützung der Eizellreifung, die Verbesserung der Durchblutung der Gebärmutterschleimhaut und die Regulation hormoneller und vegetativer Prozesse.

Nach meiner Erfahrung profitieren insbesondere Frauen über 40 von einer frühzeitigen und kontinuierlichen Behandlung. Sie ersetzt weder die Reproduktionsmedizin noch kann sie biologische Grenzen aufheben. Sie kann jedoch dazu beitragen, die individuellen Voraussetzungen für eine Schwangerschaft zu optimieren – und das ist es, worauf es ankommt.

Deshalb gilt: Je früher Sie beginnen, desto besser sind Ihre Chancen.

Studien:

  • Goisis A, Remes H, Barclay K, Martikainen P, Myrskylä M (2017). Advanced Maternal Age and the Risk of Low Birth Weight and Preterm Delivery: a Within-Family Analysis Using Finnish Population Registers. American Journal of Epidemiology, 186(11), 1219–1226. Registerstudie
    Wichtigste Ergebnisse: Die Studie untersuchte anhand finnischer Bevölkerungsregister 124.098 Kinder. Beim Vergleich von Geschwistern, die dieselbe Mutter in unterschiedlichem Alter bekommen hatte, zeigte sich kein relevantes zusätzliches Risiko für Frühgeburt oder niedriges Geburtsgewicht durch ein höheres mütterliches Alter. Die Untersuchung bezog sich auf Frauen mit mindestens zwei Lebendgeburten und ausschließlich auf diese beiden Geburtsrisiken.
    Einordnung für die Praxis: Die Ergebnisse zeigen, dass das mütterliche Alter allein nicht jedes Schwangerschaftsrisiko erklärt. Sie bedeuten jedoch nicht, dass andere bekannte altersabhängige Risiken – insbesondere chromosomale Veränderungen und Fehlgeburten – nicht zunehmen. Diese wurden in der Studie nicht untersucht.
    Originalpublikation: PubMed | Volltext (PMC)
  • Lean SC et al. (2017). Advanced maternal age and adverse pregnancy outcomes: A systematic review and meta-analysis. PLOS ONE. Systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse
    Wichtigste Ergebnisse: Die Auswertung von 75 Studien zeigt, dass mit zunehmendem Alter zwar bestimmte Schwangerschaftsrisiken ansteigen, die meisten Frauen über 35 jedoch gesunde Kinder zur Welt bringen. Die Risiken nehmen kontinuierlich zu und beginnen nicht erst ab einer festen Altersgrenze.
    Originalpublikation: PLOS ONE
  • American College of Obstetricians and Gynecologists (ACOG) & Society for Maternal-Fetal Medicine (2022). Pregnancy at Age 35 Years or Older. Obstetric Care Consensus. Evidenzbasierte Leitlinie
    Wichtigste Ergebnisse: Die Leitlinie betont, dass die Altersgrenze von 35 Jahren keine starre biologische Grenze darstellt. Entscheidend sind der individuelle Gesundheitszustand, eine sorgfältige Schwangerschaftsvorsorge und die persönliche Risikosituation. Die Mehrzahl der Schwangerschaften bei gesunden Frauen über 35 verläuft ohne schwerwiegende Komplikationen.
    Originalpublikation: ACOG
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